• Michael Anker

Das fahle Mondlicht der Stille

Meine Freunde, meine Familie und ich


Das erste Licht, der erste Wimpernschlag neuen Lebens – 2020 beginnt er mit einem Blick in maskierte Gesichter. Keine Mimik, kein Lächeln – nur ein Augenpaar. Kommunikation reduziert auf einen schmalen Ausschnitt aus dem Gesicht. Angst, Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit aber auch noch das Leuchten von Zuversicht liegen in den Augen. Es ist das Jahrhundertjahr der Isolation. Über die Zeit legt sich das fahle Mondlicht der Stille.


Ein bleierner Schleier lähmt das öffentliche Leben. Treffen werden in Hinterzimmer verlegt, heimliche Besuche in Stamm-Kneipen hinter heruntergelassene Rollos – man fühlt sich in die Zeit der Prohibition versetzt. Täglich tauchen mehr Fragen auf, als Antworten gegeben werden. Der Mehltau der Hilflosigkeit bedeckt die Szenerie. Und während in Autofabriken und Schlachthöfen weiterhin die Schlote rauchen - wird die Kulturbranche verschlossen, wird ein ganzer Wirtschaftszweig entwertet. Diese surreale Gemengelage und die auf den engsten Freundes- oder Familienkreis eingeschränkten Kontakte haben mich zu dieser Foto-Serie inspiriert.

Ein Bild über die Generationen hinweg gezeichnet, von der Geburt meiner Enkelin bis hin zu meiner 86-jährigen Mutter. Jedes Portrait bringt seine eigene Geschichte mit. Meine Familie und meine Freunde – sie sind der verlässliche Halt, wenn die globale Welt aus den Fugen zu geraten scheint.

Trotz der Inszenierung der Portraits sollte ein hohes Maß an Authentizität, Verletzlichkeit und das Zurückgeworfensein auf die eigene Persönlichkeit erkennbar bleiben.


Ursprünglich war das Projekt „Das fahle Mondlicht der Stille“ mit analogen Schwarzweißfotografien geplant. In einer Zeit, in der sich große Teile des Lebens ins Virtuelle verlagern, erschien mir diese Idee letztendlich als Anachronismus. So habe ich diese Serie im digitalen Mittelformat umgesetzt.



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