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Diamantenfieber

Autorenbild: Michael Anker
Michael Anker
vor 1 Tag
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 12 Stunden

Träume auf Sand gebaut


Spuren im Sand – nur von kurzer Dauer.
Spuren im Sand – nur von kurzer Dauer.

Frische Spuren im Sand führen einen Grat hinauf, auf eine etwa 120 Meter hohe Düne im Namibianischen Sossusvlei. Der Versuch in die Fußabdrücke des Vorgängers zu treten, um mehr Halt im sich bewegenden Sand zu finden, misslingt. Zu schnell verändern die Trichter loser Sandkörnchen ihre Form. Gehen auf unsicherem Grund. Eine Metapher auf das Leben? Eben noch sichtbar, verschwinden meine Spuren in der Ewigkeit.

Auf dem Kamm angekommen eröffnet sich ein unfassbarer Blick in die Unendlichkeit. In alle Richtungen dehnt sich die Wüste zum Horizont aus. Hier befinden sich die höchsten Sanddünen der Welt. Sie werden bis zu 300 Meter hoch. Im warmen Sand sitzend, bin ich ergriffen von dieser erhabenen Weite und Zeitlosigkeit. Was sind schon alle Errungenschaften der Menschheit gegen eine fünf Millionen Jahre alte Düne aus rotem Sand? Tief unter den Bergen loser Körnchen schlummern weitere Millionen von Jahren in versteinerten Dünen. Vor dieser Unendlichkeit kapituliert der Verstand. Demut macht sich statt dessen breit. Das hier wird immer sein. Der Mensch dagegen ist nichts. Nichts gegen diese Billionen roter Zeitpartikel, die schon die Ewigkeit gesehen haben.

Einige Tage später fliegen wir in einer kleinen Cessna 210 über die Weiten der Namib. Unter uns ein endloses Dünenmeer. Entlang des trocken gefallenen Flussbetts des Kuiseb, der die rote Sandwüste von den schwarzen Schieferfelsen des Kuiseb Canyon trennt und dann hinüber zum Atlantik. Dort wo die Sandkörnchen der Namib in den kalten Benguelastrom geweht werden, dort wo Schiffwracks vom Scheitern zeugen, ist die Heimat tausender Robben. Sie haben ihr Leben zwischen zwei Extremen eingerichtet. Selbst wenn sie mit ihren massigen Körpern auf Diamanten liegen würden, sie wüssten es nicht.


Die unendlichen Weiten der Namib Wüste.


Was könnte die Ohnmacht vor der Zeit und die Nichtigkeit von Besitz besser illustrieren, als die etwa 200 Kilometer südlich von Sossusvlei gelegene ehemalige Bergbau-Siedlung Kolmannskuppe? Ein deutscher kolonialer Eisenbahnarbeiter und sein einheimischer Gehilfe fanden 1908 in der Nähe von Kolmannskuppe Diamanten. Diese Millionen Jahre alten Kristalle lösten einen heftigen Boom in Kolmannskuppe aus. Die Siedlung wurde kurzzeitig zur reichsten Stadt Afrikas.

Diamanten fanden sich wenige Zentimeter direkt unter dem Sand. Sie wurden unter unbarmherzigen Bedingungen auf dem Bauch liegend ausgesiebt. Während die dafür angeheuerten Ovambo-Vertragsarbeiter in Baracken untergebracht wurden, lebten die Eigentümer der Miene und ihre höheren Angestellten in, für damalige Zeiten, großem Luxus. Für sie gab es in Kolmannskuppe aufwändige Wohnhäuser, Geschäfte, eine Eisfabrik, ein Krankenhaus und selbst ein Bordell. Ein Röntgengerät, aus Deutschland geliefert, machte das Krankenhaus in jener Zeit zum modernsten in Afrika. Mit dem Röntgengerät sollten hauptsächlich, zum Zweck des Schmuggels, verschluckte Diamanten aufgespürt werden. Nur kurze Zeit, bis 1930, dauerte der Rausch. Die Siedlung wurde verlassen – Reichtum und Luxus versandeten im Mahlstrom der Wüste.

Kolmannskuppe kann heute touristisch besucht werden. Südlich der ehemaligen Siedlung befindet sich noch immer das Diamanten-Sperrgebiet.


Irgendwann wird alles zu Staub.


Technische Daten: Kameras Fujifilm GFX 50S und X-Pro 3.

© 2026 Michael Anker

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