• Michael Anker

Der Erde näher als dem Himmel

Gedankenspiele und eine Prise Melancholie

Bereits im Augenblick unserer Geburt, mit dem ersten Atemzug, sind wir dem Unvermeidlichen geweiht. Es ist ab dann nur eine Frage der Zeit, wann wir den Kreislauf des Lebens schließen. Seit einem halben Jahr arbeite ich an einer Fotoserie mit dem Titel „Der Erde näher als dem Himmel“. Fotos die in diesem Zusammenhang entstehen, beschäftigen sich philosophisch-lyrisch mit Erwartungen und Hoffnungen die mit dem Unvermeidlichen, mit dem Werden, Verfall und Vergehen, verbunden sind. Teilweise sind die Bilder ikonischer Natur und erschließen sich durch unseren kulturellen Hintergrund, andere sind vage Gedankenspiele mit einer Prise Melancholie. Trotzdem geben sie dem Betrachter genug Spielraum für eigene Empfindungen und Interpretationen.


Das Thema erfordert behutsames und achtsames Arbeiten. Aus diesem Grund habe ich mich wieder für meine alte Hasselblad 501 CM entschieden und fotografiere in schwarz-weiß auf 120er-Rollfim. Dem analogen fotografischen Prozess wohnt der Wunsch inne, etwas Vergänglichem materielle Gestalt zu geben. Anders als im digitalen Prozess entsteht direkt bei der Aufnahme auf Film bereits ein handfestes Stück Material und nicht nur eine Sequenz aus Nullen und Einsen. Da die Negative archiviert werden, könnten zu jeder Zeit analoge Papierabzüge hergestellt werden. Ich gehe zurzeit aber einen anderen Weg.


In einem hybriden Prozess werden die Fotos analog aufgenommen, der Film von Hand entwickelt und die Negative anschließend mit einem Epson V800 Scanner digitalisiert. Alle Bilder sind, wie im Moment der Aufnahme, der Komposition, im vollen Negativformat abgebildet. Es gibt keine Ausschnittsvergrößerungen. Aus diesem Grund zeigt jede Fotografie den schwarzen Rand der Maske des Filmmagazins. Derzeit bevorzuge ich den Druck der „digitalen Negative“ auf Fine Art Papieren wie dem Hahnemühle Photo Rag 308. Zuvor werden die Fotos mit Adobe Lightroom auf dieses Papier abgestimmt. Das gibt mir mehr Spielraum als in einer analogen Dunkelkammer.


Aufgrund der Weite des Themas hat die Arbeit an dieser Serie einen permanenten Charakter angenommen, sie ist ein dynamischer Prozess wie das Leben selbst und wird nie ganz abgeschlossen sein.




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