top of page
  • AutorenbildMichael Anker

Der dunkle Strom

Ein fast fiktives Tagebuch




„Der dunkle Strom“ ist eine, anhand meiner Familiengeschichte erzählte, subjektive Reflexion auf das Thema „Flucht, Vertreibung, Migration“. Dieser Fotozyklus ist eine Einladung darüber nachzudenken, dass es wirtschaftlich oder politisch motivierte Migration zu allen Zeiten gegeben hat.

 

Topografischer Mittelpunkt dieser Arbeit ist der Strom, der heute die Grenzlinie zwischen Deutschland und Polen bildet. Dort an der Oder lebte meine väterliche Familie seit mindestens zweieinhalb Jahrhunderten. Sie erlebte die große Transformation dieser einst urtümlichen Fluss- und Bruchlandschaft in einen Kulturraum. Doch damit nicht genug, tobte hier vor achtzig Jahren die erbittertste Schlacht des Zweiten Weltkriegs. An seinem Ende traf mein Vater auf die Familie meiner Mutter, die mit einem Treck aus dem Wartheland kommend, zu dieser Zeit das Oderbruch erreichte.


Die Fotos sind an originalen Schauplätzen meiner Familiengeschichte im Oderbruch analog aufgenommen, dort vorgefunden oder in Szene gesetzt. Fiktion und Dokumentation lassen sich nicht unterscheiden. Alle Aufnahmen entstanden analog auf Schwarzweiß-Filmmaterial. Es scheint mir die einzig relevante Form zu sein, um die Geschichte und Geschichten episch aufzuarbeiten.

 

Mit „Der dunkle Strom“ kehre ich an einen mir lange bekannten Ort zurück. Erinnerungen treten zutage, die vor langer Zeit begraben wurden. Träge, wie der Strom, bahnt sich das Leben seinen Weg durch die Ebenen und trägt meine eigene Familiengeschichte mit sich fort. Ruhig und dunkel fließt er voller Erinnerungen an sich selbst und die Menschen an seinen Ufern. Der Himmel spiegelt sich in ihm, selbst in der Nacht. Dunkle Untiefen bleiben verborgen.




Technische Daten: Hasselblad 501CM, Planar 80mm F2,8, Distagon 50mm F4, Kodak TMAX 400


Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Zeit die verging

wasseroderland

bottom of page